Einsatz von Künstlicher Intelligenz in Schulen

Einsatz von Künstlicher Intelligenz in Schulen

Einsatz von Künstlicher Intelligenz in Schulen

Einsatz von Künstlicher Intelligenz in Schulen

- Ein Einblick in den schulischen Alltag

- Ein Einblick in den schulischen Alltag

Einsatz von Künstlicher Intelligenz in Schulen
– Ein Einblick in den schulischen Alltag

Sandro Degiorgi ist Fachlehrer für Informatik und Mathematik an der Rolf-Benz-Schule in Nagold. Nach seinem Studium im Bereich Software arbeitete Sandro 20 Jahre als Selbständiger, bevor er 2014 den Wechsel in den Schuldienst vollzog. Er betreut seitdem mehrere freiwillige Arbeitsgruppen für Schülerinnen und Schüler zum Thema Künstliche Intelligenz, ist Mitglied im Landesfachteam KI und Fortbildner am Kultusministerium.

Im ersten Teil des Interviews erzählt Sandro wie er zur KI gekommen ist, was ihn daran so begeistert und wo er die größten Herausforderungen beim Einsatz in der Schule wahrnimmt. Im zweiten Teil verrät er uns, warum ihn Intel® AI For Youth - KI für Einsteiger - beim Einsatz in den Schulen so überzeugt, wie das Programm aufgebaut ist und wie Sie es schaffen, Intel® AI For Youth in Ihren Schulen zu etablieren.



Herzlich willkommen, Sandro! Vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, mit mir dieses Interview durchzuführen. Das Thema heute ist der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) in den Schulen. Zudem würde ich gerne mehr über deine Erfahrungen mit dem Intel® AI For Youth Programm erfahren, welches Ihr ja schon erfolgreich in eurer Schule einsetzt. Stell dich doch bitte kurz vor und verrate uns:

Wie bist du zum Thema Künstliche Intelligenz gekommen und in welcher Verbindung arbeitest du heute damit?

Mein Name ist Sandro Degiorgi. Ich bin Fachlehrer für Informatik und Mathematik an der Rolf-Benz-Schule in Nagold. Zur KI bin ich durch eine Verkettung „unglücklicher Umstände“ gekommen: Ich interessiere mich für Künstliche Intelligenz, weil ich schon immer wissen wollte, wie Sachen funktionieren. Eines Tages sind Schüler auf mich zugekommen, die sich auch mit diesem Thema auseinandersetzen wollten und dafür eine Lehrkraft gesucht haben, die sie betreut. Zudem befürwortet unser Schulleiter das Thema sehr, was wiederum dazu geführt hat, dass auch im Kultusministerium bekannt ist, dass es da jemanden gibt, der sich um Künstliche Intelligenz kümmert. So befinde ich mich also in einer „win win win win win-Situation“. Das heißt, ich kann mich um das kümmern, was mir Spaß macht und alle um mich herum mitnehmen auf die Reise Richtung Verständnis und Wissen.

Du hattest erwähnt, dass Schülerinnern und Schüler mit dem Thema Künstliche Intelligenz auf dich zukamen. Wie lief das genau ab?

Ich bin jetzt erst seit einem Jahr an der Rolf-Benz-Schule Nagold. Zuvor war ich Lehrer an der IT-Schule in Stuttgart, genauer gesagt ein technisches Gymnasium mit Fachrichtung Informationstechnik und einer Schülerschaft aus aufgeweckten jungen Leuten, welche ihren Schwerpunkt im Bereich Computer oder IT haben. Diese Schülerinnen und Schüler sind vor fünf, sechs Jahren auf mich zugekommen, haben gesagt: "Mensch, wir wollen was zu KI im Matheunterricht machen, aber es will niemand betreuen. Würdest du das machen?"
Ich habe dann gemerkt, dass das gut funktioniert. Seither biete ich das Thema jedes Jahr an. Auch in unterschiedlichen Schularten, in unterschiedlichen Altersstufen. Ganz aktuell versuche ich es im AV dual (Anmerkung: Ausbildungsvorbereitung dual.) Das sind junge, noch schulpflichtige Menschen, bislang ohne Bildungsabschluss, das heißt, sie wollen eigentlich noch einen Hauptschul- oder auch Realschulabschluss machen. Auch mit diesen Schülerinnen und Schülern habe ich das Programm AI For Youth ausprobiert. Obwohl hier eben die Tech-Affinität nicht vorherrscht und ich mit ihnen nicht programmiere, sondern mich einfach auf einem anderen Level oder mit anderen Schwerpunkten mit dem Thema Künstliche Intelligenz auseinandersetze, funktioniert es sehr gut!

Wie ist die aktuelle Situation im Hinblick auf den Einsatz von KI in den Schulen? Inwieweit wird Sie in den Schulen schon eingesetzt und wo besteht noch Nachholbedarf?

Vielleicht vorneweg: Das Bild von KI, das man vielleicht aus den Medien kennt, wo mit KI die Mimik von Schülerinnen und Schülern überwacht wird und daraus Programme entwickelt werden, das wird es in Deutschland niemals geben. Solche Systeme werden wir auch nicht einsetzen. Es gibt zwar einige Prototypen, die versuchen, im Rahmen individueller Förderung Schülerinnen und Schüler auf ihrem Lernpfad so zu unterstützen, dass sie immer die Angebote, Aufgaben und Informationen erhalten, die sie gerade benötigen. Solche Prototypen kann man auf einer Messe wir der didacta oder der Learntec erleben. Aber im Schulalltag findet so etwas bisher überhaupt nicht statt.

In der Arbeitswelt allerdings hat die Realität uns überholt. Im Berufsfeld der Fachinformatiker – allen voran ist hier der Daten- und Prozess-Analyst zu nennen- genauso wie in der Techniker-Ausbildung und eben auch im Bildungsplan des Technischen Gymnasiums im Rahmen des Faches Informatik.
Es gibt zwar noch kein eigenes Fach KI, aber schon die konkrete Notwendigkeit, KI in einigen Stunden zu unterrichten, weil sowohl die Universitäten als auch die Arbeitswelt sehen: Wir brauchen Menschen, die sich damit auskennen.

Das Thema KI wird also aktiv im Lehrplan aufgegriffen?

Ja, aber jetzt wirklich erst seit Kurzem. Der aktuelle Lehrplan fürs Technische Gymnasium ist Drucklegung 2021. Die Schülerinnen und Schülern, die seit September 2021 bei uns im Hause sind, dürfen KI also irgendwann mal genießen. Allerdings muss man aber erstmal die pädagogische Handlungsfähigkeit herstellen. Da zeigen sich im Kollegium hauptsächlich fragende Gesichter: „Was soll ich da unterrichten? Ich brauche erstmal eine Fortbildung, da kenne ich mich gar nicht aus, ...“

Künstliche Intelligenz ist tatsächlich ein Gebiet, auf dem uns die Arbeitswelt und unsere geographischen Nachbarn einfach überholt haben. Zumindest seit ein, zwei Jahren steuert das Kultusministerium dagegen und nimmt das Thema KI in die Bildungspläne auf, bietet Fortbildungen an und versucht, dieses wichtige Thema ans Lehrpersonal heranzuführen, um es dann an die Schülerinnen und Schüler weitervermitteln zu können.
Aber de facto findet es nach meinem Empfinden noch nicht oder kaum statt.

Sind andere europäische Länder in diesem Hinblick einfach viel weiter als wir?

Sehr viel weiter. Sie beschäftigen sich schon länger damit. Vor allem das, was jetzt in der Arbeitswelt in Bezug auf Künstliche Intelligenz passiert ist, ist nicht gleichzustellen mit dem, was in den Schulen unterrichtet wird.

Gehen wir doch hier noch etwas mehr in die Tiefe, was die konkrete Beschäftigung mit KI für dich heißt: Welche Erfahrungen machst du persönlich mit dem Thema?

Es gibt viele Erfindungen, die große Veränderungen herbeigeführt haben: Der Buchdruck, die Dampfmaschine, die industrielle Revolution oder das Internet. Persönlich denke ich: Das, was Künstliche Intelligenz mit uns macht oder machen wird, wird wesentlich einschneidender sein als alles, was wir bisher erlebt haben. Das wird sich in allen Lebensbereichen, im Bildungsbereich und allen Arbeitsbereichen komplett durchsetzen und wird überall irgendwie seine Position, Rolle und Einfluss finden.

Brechen wir es nun runter auf die Schulen: Für die jungen Menschen ist KI allgegenwärtig, vor allem die Schülerinnen und Schüler, mit denen ich zu tun habe. Sie erkennen gar nicht diese Schnittstellen. Wo hört das Deterministische auf und wo fängt die KI überhaupt an? Sie halten es für völlig normal, dass ihr Handy nach einmaliger Benutzung ihren „Slang“ beim Tippen erkennt. Oder es kommen plötzlich alle Katzenbilder, obwohl das nie einer „getaggt“ hat. Oder die punktgenaue Werbung, die aufpoppt. Das ist für die Schülerinnen und Schüler völlig normal. Im Dialog stellt man dann aber fest, dass es sie entweder berührt oder fasziniert und manchmal sogar ein bisschen Angst macht. Auch wenn Sie es nicht zugeben, haben sie das Gefühl: „Die Maschine ist schlauer als ich. Die Maschine ist schneller als ich. Die Maschine kann das besser als ich“ und hier ist der Ansatz wichtig, Ihnen zu zeigen, dass es nur Algorithmen sind, dass es nur eine Maschine ist: „Die Maschine ist blöd wie eine Kartoffel, sie ist nur vielleicht ein bisschen schneller.“

Man muss dem Ganzen irgendwie den Zauber nehmen, dass sie damit rational umgehen können, damit sie wissen: Wo steckt Künstliche Intelligenz drin und wo nicht. Das ist die Zielsetzung egal ob Oberstufe, technisches Gymnasium, Berufskolleg oder Aufbau dual. Affin oder nicht - wenn man ihnen die Beispiele zeigt, sind alle irgendwie „touched“ und interessiert. Da ist mein Einfallstor, an dieser Stelle versuche ich, das Ganze ein bisschen zu entmystifizieren. Das heißt: Es ist nichts Magisches, keine Pandora-Büchse, sondern man macht den Schülerinnen und Schülern klar, wo steckt KI drin und wo nicht. „Du wirst auf jeden Fall davon betroffen sein“ - diese Aussage versuche ich über den Tisch zu kriegen. Die Frage ist nur: „Willst du dich lenken lassen und willst du einen Blick dafür haben, was denn da so grob passiert hinter den Kulissen?“

Was ist also hier die größte Herausforderung?

Die pädagogische Handlungsfähigkeit herzustellen, ist sicher das Wesentliche.
Zunächst müssen die Lehrerinnen und Lehrer in die Lage versetzt werden, mit dem Thema umzugehen und den Schülerinnen und Schülern nicht bloß eine Stunde voraus zu sein mit der Frage: „Was bedeutet KI eigentlich für mich?“ Was bedeutet es für die jungen Menschen, die ich in der Ausbildung oder in der Schule vor mir habe? Was bedeutet das für ihre Zukunft? Welche Kompetenzen muss ich ihnen an die Hand geben, damit sie in ihrem weiteren Leben gut zurechtkommen?

Und das Zweite ist natürlich, dass ich versuche, die Schülerinnern und Schüler dafür zu begeistern und sie befähige, zu erkennen: Wo steckt überhaupt KI drin und wo nicht.
Der Einstieg in das Thema ist immer, festzustellen, wo man KI schon überall begegnet ist. Ziemlich schnell wird klar, dass viele Schülerinnen und Schüler überhaupt keine Idee haben, wo überall Künstliche Intelligenz drinsteckt. Und dann hat man natürlich immer noch ein paar andere, eindrucksvolle Beispiele in der Tasche. Zum Beispiel die Möglichkeit, eine Software zu programmieren, die am Tag der Anmeldung mit 75 % Wahrscheinlichkeit erkennt, wer den Abschluss macht oder nicht.

Vielen Dank, Sandro, für diese ersten Einblicke in ein sehr spannendes Thema.

Lesen Sie jetzt den zweiten Teil des Interviews mit Sandro Degiorgi über das Intel® AI For Youth Programm, welche großartigen Projekte er innerhalb des Programms schon umgesetzt hat und

Jetzt den zweiten Teil lesen!

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