Interview: Medienkompetenz

Interview: Medienkompetenz

Interview: Medienkompetenz

Interview: Medienkompetenz

Warum Medienkompetenz in den Schulunterricht gehört

Medienkompetenz als zentrale Fähigkeit wie Lesen und Schreiben? Für den Berater für digitale Bildung Jürgen Schlieszeit ist die Vermittlung von Medienkompetenz ein zentraler Bestandteil des Unterrichts. Doch nicht jede Lehrkraft hat eine Leidenschaft für Digitalisierung wie er. Deshalb braucht es entsprechende Angebote, um Lehrkräfte zu unterstützen. Hier erfahren Sie, was Medienkompetenz ist und welche Bedeutung sie in der Schule hat.

Was bedeutet Medienkompetenz

Um die Bedeutung von Medienkompetenz in der Schule zu verstehen, müssen wir uns zunächst bewusst machen, was Medienkompetenz überhaupt ist. Sie wird unterschiedlich definiert. Am gängigsten sind die fünf Definitionen nach Dieter Baacke, Dieter Spanhel, Gerhard Dulodziecki, Stefan Aufenanger und Bernd Schorb. Hier konzentrieren wir uns auf die Definition Medienkompetenz nach Dieter Baacke.

Definition Medienkompetenz nach Dieter Baacke

Was ist Medienkompetenz? Als Erziehungswissenschaftler und Hochschullehrer geht Dieter Baacke davon aus, dass Menschen zusätzliche Kompetenzen brauchen, um sich in der Welt der Medien zurechtzufinden. Der Umgang mit Medien muss also erlernt werden. Selbstbestimmtes Handeln ist für ihn ein großer Bestandteil dieses Lernprozesses. Um am humanen Fortschritt teilhaben zu können, brauchen wir nicht nur Zugang zu modernen Technologien, sondern auch die entsprechende Handlungskompetenz.
Doch Medienkompetenz ist nicht alles. Sie ist nur eine der zahlreichen wichtigen Fähigkeiten des Menschen. So ergänzen sich pädagogisches Fachwissen und mediendidaktische Konzepte für einen modernen Unterricht.

Digitale Medienkompetenz in der Schule

Doch was hat all das mit dem Alltag in der Schule zu tun? Sehr viel, wie Jürgen Schlieszeit im folgenden Interview erklärt. Eine moderne Bildung kann nur funktionieren, wenn die Wichtigkeit von Medienkompetenz in der Schule ernst genommen wird. Lehrkräfte sollten im Umgang mit Medien ein Vorbild sein, um Schülern und Schülerinnen eine zielorientierte Nutzung digitaler Medien zu vermitteln. Das wiederum trägt dazu bei, Schlüsselkompetenzen des 21. Jahrhunderts zu fördern und Schüler und Schülerinnen auf ihre Tätigkeiten in der Zukunft vorzubereiten. Schüler und Schülerinnen können durch den Einsatz digitaler Medien außerdem individuell gefördert werden. Lesen Sie hier mehr dazu.

„Medienkompetenz ist ein Handwerkszeug wie Lesen und Schreiben – um sie zu vermitteln, müssen wir sie vorleben“

Jürgen Schlieszeit
Berater für digitale Bildung - plädiert dafür, Lehrkräfte im offenen Umgang mit digitalen Medien zu unterstützen.



In seinem Lehramtsstudium war Jürgen Schlieszeit der erste, der mit einem Laptop in der Vorlesung saß. Auch in seiner späteren Rolle als Berater für digitale Bildung erntete er verwunderte Blicke, als er zum ersten Mal mit Lehrkräften per E-Mail kommunizieren wollte. Seit nun fast zwei Jahrzehnten setzt er sich leidenschaftlich für die digitale Fortbildung von Lehrkräften ein. Im Interview erzählt er, welche Hürden dabei auftauchen und wie eine moderne Digitalbildung gelingen kann.

Hallo Herr Schlieszeit, bitte stellen Sie sich und das Medienzentrum des Landkreises Günzburg kurz vor.

Sehr gerne. Einerseits ist unsere Aufgabe der reine Verleih von Medien an Bildungseinrichtungen –gleichzeitig haben wir auch einen pädagogischen Auftrag: die Einrichtungen im Umgang mit digitalen Medien zu unterstützen. Das können Schulen, Kindergärten oder auch Volkshochschulen sein. Ich habe selbst auf Lehramt Deutsch und Biologie, dann Medienpädagogik studiert, daher weiß ich, wie wichtig Medien im Unterricht sind. Der starke Bezug zur Praxis kommt aber vor allem aus meiner Zeit in der freien Wirtschaft: Ich habe einige Unternehmen rund um Lernmedien gegründet und geleitet, damals noch mit CD-Roms (lacht). Eher als Einzelkämpfer habe ich auch Fortbildungen angeboten, bis ich dann gefragt wurde, ob ich als Medienberater einsteigen und später auch die Leitung des Medienzentrums übernehmen möchte. Nun bin ich seit über 17 Jahren in beratender Funktion tätig. Mittlerweile in Personalunion als Berater für digitale Bildung des Schulamtsbezirks Günzburg und Neu-Ulm, Leiter des Medienzentrums und Koordinator eines Zweckverbands, der für IT-Verwaltung und -Administration zuständig ist.

Welche Idee steht hinter dieser Rolle und was sind aus Ihrer Sicht Voraussetzungen modernen Unterrichts?

Die übergeordnete Vision war und ist immer eine verstärkte Zusammenarbeit im Bereich der Fortbildung von Lehrkräften. Als Bindeglied zwischen den Institutionen habe ich dabei einen guten Überblick, was in der Lehre benötigt wird. Das ist zunächst einmal die Möglichkeit, Neues kennenzulernen und auszuprobieren. Und natürlich die Offenheit dafür. Nur, wenn wir als Lehrkräfte im Umgang mit Medien selbst souverän sind, können wir unsere Schüler:innen abholen – statt uns möglicherweise hinter unserem Unwissen zu verstecken. Unsere Aufgabe ist es, Unwissen zu beseitigen und Lehrkräften das nötige Handwerkszeug mitzugeben. Denn noch ist es manchmal so, dass uns die Schüler:innen etwas beibringen können.

Sie bereiten die Lehrkräfte darauf vor, junge Menschen fit für die Lebens- und Berufswelt von morgen zu machen. Welche Rolle spielen dabei digitale Medien?

Eine absolut entscheidende Rolle. Egal, welchen Berufszweig die Schüler:innen einschlagen, sie werden es in Zukunft immer mit digitalen Technologien zu tun haben. Selbst wenn sie als Dachdecker:innen, Kaminkehrer:innen oder bei der Müllabfuhr arbeiten, werden sie im Alltag Computer nutzen. Natürlich erst recht in den Digitalberufen, von denen es in Zukunft immer mehr geben wir. Wir müssen sie daher auf eine digitalisierte Lebens- und Berufswelt vorbereiten – und dafür bedarf es eines modernen, digitalen Unterrichts.
Können Lehrkräfte das von sich aus leisten?

Wir können natürlich nicht erwarten, dass jede und jeder selbst den kompletten Überblick darüber hat, was man im Unterricht alles einsetzen kann. Die meisten nutzen das, was sie schon kennen und sicher beherrschen. Oder sie nutzen eben das, was man ihnen zeigt. An der Uni wird nach wie vor im Frontalunterricht gelehrt, und später im eigens geführten Schulunterricht geschieht das noch viel zu oft genau so weiter. Doch moderner, digitaler Unterricht lebt auch vom Erleben und Tun. Wenn ich beispielsweise einmal kurz präsentiere, wie einfach ein Green Screen, eine VR-Brille oder ein 3D-Drucker funktioniert, ist es ein Leichtes, es dann selbst anzuwenden und es den Schüler:innen zu vermitteln. Es geht immer ums Ausprobieren.

Gibt es ab und zu auch Vorbehalte?

Ja, man merkt, dass wir vielerorts noch im Zeitalter des gerade erwähnten Frontalunterrichtes leben. Aber da findet zum Glück ein Umdenken statt. Einige Kommunen sagten vor gar nicht allzu langer Zeit noch: „Was wollen wir mit Laptops die Schüler:innen sollen erst mal lesen und schreiben lernen.“ Und jetzt sind sie froh, dass sie reichzeitig begonnen haben, die Geräte einzusetzen. Da hat die Pandemie sicher auch einiges beschleunigt. Was wir jetzt alles selbstverständlich jeden Tag machen, zum Beispiel die Video-Konferenzen untereinander, wäre vor zwei, drei Jahren noch undenkbar gewesen.

Noch ein Beispiel zum Thema Laptops: An einer Schule, die zunächst partout keine Laptops nutzen wollte, habe ich den Schüler:innen im Unterricht einige Geräte an die Hand gegeben. Sie haben dann innerhalb von einer Schulstunde einen Imagefilm über die Schule gedreht. Als die Lehrkräfte die Ergebnisse gesehen haben, waren sie sofort begeistert. Oft reicht es, dabei zu sein, wenn jemand anderes etwas ausprobiert. Wichtig ist, dass wir für den Unterricht immer konkrete, lebhafte Beispiele in petto haben.

Ein solches Programm für moderne Lehrinhalte ist „Intel® Skills for Innovation“ (SFI). Planen Sie, es einzusetzen?

Ja, wir werden verschiedene Unterrichtspakete aus dem Intel SFI Programm in unserem neuen Zentrum für digitales Lernen einsetzen. Ich denke da an die Inhalte rund um 3D-Druck, den Green Screen oder Künstliche Intelligenz. Ich stelle mir das Zentrum so vor: Lehrkräfte kommen vorbei, informieren sich, probieren aus. Dann nehmen sie etwas für Ihren Unterricht mit. Und da ist es hilfreich, wenn es sehr konkrete Anwendungen und fertige Lernmaterialien gibt. Auch die kostenfreie SFI-Lehrkräftefortbildung werden wir mit anbieten. Wir dürfen Lehrkräfte bei den Zukunftsthemen nicht allein lassen.

Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Zukunftsthemen und wie können wir sie in modernen Unterricht integrieren?

Es geht vor allem um kooperatives Lernen, die Arbeit im Team. Genauso um selbstständiges Denken und Arbeiten. Die Schüler:innen sollen in die Lage versetzt werden, durch ihre Digital- und Medienkompetenz Probleme eigenständig zu lösen. Diese Kompetenz ist ein Handwerkszeug wie Lesen und Schreiben – um sie zu vermitteln, müssen wir sie vorleben. Wir müssen selbst Neues ausprobieren, um die Schüler:innen Neues ausprobieren zu lassen.
Als ich als medienpädagogischer Berater angefangen habe, kannte den Begriff „digital“ noch kaum jemand. Da galt ich nur als der „Computer-Freak“. Damals haben sich einige Lehrer:innen noch gegen E-Mails gewehrt, weil sie einmal pro Woche den PC anschalten mussten (lacht). Aber genauso, wie die E-Mail- und Video-Kommunikation selbstverständlich geworden ist, kommen wir immer mehr dahin, dass Medienpädagogik nicht als technisches Gimmick gesehen wird, sondern als integraler Bestandteil eines fortschrittlichen Unterrichts, der mit der Zeit geht. Da können wir als Medienzentrum mit unseren Angeboten und auch mit Programmen wie SFI von Intel® den Lehrer:innen eine Menge erleichtern. Sie müssen nicht bei null anfangen, sondern bekommen erprobte und zugleich moderne Konzepte an die Hand. Damit entfalten wir eine völlig neue Begeisterung – sowohl bei denen, die lernen, als auch bei denen, die lehren.



Medienkompetenz in der Schule schaffen und fördern

Sie sind von der Wichtigkeit von Medienkompetenz in der Schule überzeugt? Doch wissen gleichzeitig, dass nicht jede Lehrkraft solch eine Affinität zur Digitalisierung hat wie Jürgen Schlieszeit?
Genau dafür gibt es das Programm Intel® Skills for Innovation (SFI). Es schließt die Lücke zwischen der pädagogischen Ausbildung von Lehrkräften und dem sinnvollen Einsatz digitaler Medien im Unterricht. Lehrkräfte werden mit der Umstellung auf einen zukunftsorientierten Unterricht endlich nicht mehr alleine gelassen.

Das Programm richtet sich an Lehrkräfte, die gerade erst mit dem Einsatz digitaler Medien starten, aber auch an fortgeschrittene Lehrkräfte. Die Fortbildung ist in Module zum Selbstlernen aufgeteilt und enthält Angebote zum Austausch und zur Unterstützung durch Medienprofis. Vorgefertigte Unterrichtspakete machen den Start in einen modernen Unterricht einfach und effektiv.

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