Erfahrungsbericht der Maria-Ward-Realschule: Unser Weg zur Digitalisierung

Kurzvorstellung Maria-Ward-Realschule

Die Maria-Ward-Realschule in Schrobenhausen ist eine Marchtaler-Plan-Schule mit momentan 682 Schülerinnen in 24 Klassen, die von 47 Lehrkräften und acht pädagogischen Kräften unterrichtet und betreut werden. Schrobenhausen ist eine ländliche Kleinstadt und liegt im Dreieck Augsburg, Ingolstadt und München. Da keine größere angrenzende Stadt nebenan liegt, haben wir ein entsprechend großes Einzugsgebiet.

Unser Weg zur Digitalisierung

Ganz wichtig ist die Tatsache, dass wir mit der Digitalisierung nicht erst eine Woche vor dem ersten Lockdown begonnen haben, sondern, dass das Vorantreiben der Digitalisierung der 44 Schulwerksschulen der Diözese Augsburg ein Herzensanliegen des Direktors Peter Kosak ist und ihm daher der uneingeschränkte Dank gilt.
Es ist ungeheuer entspannend, wenn der Träger selbst hinter der IT-Umstellung steht und einem den Rücken für die wesentlichen Aufgaben eines Schulleiters freihält. Digitalisierung von Schule bedeutet zwar zahlreiche Meetings und ein häufiges Zusammensitzen, aber es hat sich gelohnt: Man kann den Prozess aktiv mitgestalten.
Daher wurden bereits im Jahr 2018 sämtliche Schulwerksschulen an ein eigenes 100 Mbit-Glasfasernetz angeschlossen, mit dem Ziel eines trägerbetriebenen Rechenzentrums, Serverfarm Storage und einer zentralen Firewall.
Das Hauptanliegen des Schulwerks ist die Standardisierung der Schulen und eine Vereinfachung der IT-Verwaltung.

Im Jahr 2018
Alle Klassenzimmer wurden mit Kurzdistanzbeamern, Dokumentenkameras und Medienkanälen (Lautsprecher etc.) ausgestattet. Die Umrüstung war bereits nach wenigen Monaten fertig.

Im Jahr 2019/2020
Der letzte der schuleigenen Server wurde abgeschaltet und wir sind auf die Schulwerksserver umgezogen. Ebenso wurde das komplette System auf Microsoft365 umgestellt. Bereits im Oktober 2019 wurden die M365 Kennungen an die Schülerinnen und Mitarbeiter*innen ausgegeben.
Unsere drei IT-Räume wurden bis Ende Januar 2020 mit einheitlichen Geräten ausgestattet.

Anfang März 2020
Die letzten Lehrerconvertibles sollten ausgegeben werden. Denn ab dann sollte ein Zweijahresplan mit IT-Fortbildungen, hinsichtlich M365 (speziell Outlook mit Kalenderfunktion) und Nutzung von OneDrive, sowie Office bezogene Apps, erfolgen. Lehrkräfte sollten verschiedene Tools kennenlernen und ausprobieren und sie auf ihre Unterrichtstauglichkeit hin prüfen. Diese Erfahrungen sollten sie dann in weiteren schulinternen Fortbildungen mit ihren (Fach-)Kolleg*innen teilen.

Doch dann kam alles anders: Lockdowngerüchte am Donnerstag, den 12.03.20

Die Schulleitung hat sich mit den IT-Verantwortlichen bis spät in die Nacht zusammengesetzt und einen Fahrplan für den „Fall der Fälle“ ausgearbeitet.
Am Freitag, den 13.03.2020, wurden alle Klassen in 30-minütigen Schulungen in Office eingeführt (Anmelden, Passwort, Teams, etc.) und bekamen ein ad hoc erstelltes Skript mit den wichtigsten Eckdaten mit nach Hause. Außerdem wurde überprüft, ob und wenn ja, welches Endgerät den Schülerinnen und Schülern zur Verfügung steht. Schülerinnen und Schülern ohne ein geeignetes Gerät bekamen ein Laptop aus Schulbeständen mit nach Hause.

Am Montag, den 16.03.2020, wurden die letzten Lehrerconvertibles verteilt und, da die Kontaktbeschränkung erst ab dem 20.03.20 galt, konnten die Lehrkräfte noch vor Ort geschult werden. Mit dem Kollegium zusammen wurde ein für die Schülerinnen und Schüler verkürzter Stundenplan erstellt und es wurden alle Klassen und Fächer in TEAMS angelegt.

Am Dienstag, den 17.03.20, konnte, nach nur einem Tag „frei“, somit der Unterricht nach neuem, verkürztem Stundenplan wieder aufgenommen werden. Die Lehrkräfte hatten hierzu zwei Möglichkeiten:

  1. Die Stunde wurde via Videokonferenz regulär gehalten oder

  2. es gab eine kurze Besprechung am Anfang der Stunde und die Schülerinnen durften die Arbeit in Eigenregie erledigen und mussten die Aufgaben bis zu einem bestimmten Zeitpunkt abgeben und bekamen hier eine individuelle Rückmeldung. Die Lehrkraft stand die ganze Stunde über für Fragen in der ursprünglich angesetzten Besprechung jederzeit zur Verfügung.

Außerdem wurde zu Beginn eines jeden Unterrichts die Anwesenheit der Schülerinnen kontrolliert. Fehlte eine Schülerin, wurde daheim angerufen. Die Eltern waren über die Vorgabe und konsequente Einhaltung der Struktur sehr dankbar.

Warum lief es weitestgehend so reibungslos?

Von der Organisationsseite her kann man sagen, dass es natürlich ein ganz großer Vorteil war, dass wir unsere IT-Umstellung nicht erst zu Beginn des Lockdowns begonnen hatten. Wir können mittlerweile 40 WLAN-Accesspoints unser Eigen nennen, die in unserem 165-jährigen Klostergemäuer auch durchaus notwendig sind, um eine flächendeckende Internetversorgung im Schulhaus zu gewährleisten. Auch hatten wir ein wenig Glück mit der Punktlandung unserer einheitlichen Lehrerconvertibles mit einheitlicher Software, die einen unschlagbaren Vorteil haben: Wir sprechen jetzt alle die gleiche Sprache und Kollegen konnten sich so schnell und unkompliziert gegenseitig bei Problemen helfen.

Es gab zu Beginn verpflichtende schulinterne Anfangsschulungen, die bald von bedarfsgerechten Fortbildungen abgelöst wurden, da die unterschiedlichen Fächer auch unterschiedliche Bedürfnisse haben und auch nicht jede App für jedes Fach geeignet ist. Lehrkräfte erklärten sich bereit, unterschiedliche Apps auszuprobieren und dann in einer kurzen Fortbildung das Wissen an die anderen Kolleg*innen weiterzugeben. Außerdem wurde Unterrichtsmaterial digitalisiert und für alle Lehrkräfte auf einem gemeinsamen Speicherpunkt zugänglich gemacht.
Denn gerade jetzt, wo so viel Energie in die Umstrukturierung gesteckt wird, ist Teamarbeit wichtiger denn je.

Von der Schülerinnen- und Schülerseite her war ein ganz großer Pluspunkt, dass sie auf das gleiche Softwarepaket zugreifen konnten und die Mädchen somit alle mit dem gleichen „Werkzeug“ gearbeitet haben. Natürlich: Technik ist nicht alles, sondern der Umgang damit zählt. An dieser Stelle hat sich das „eigenverantwortliche Lernen“ und das „sich mit Themen allein auseinandersetzen“ bewährt, das ganz wesentlich im Marchtaler Plan verwurzelt ist.
Dass es an der ein oder anderen Stelle noch gehakt hat, zeigt die Tatsache, dass beispielsweise eine Schülerin mit dem Fahrrad auf den nächsten Hügel radeln musste, um ihre Hausaufgabe abschicken zu können. Gerade in ländlichen Gegenden gab es oftmals einen unzulänglichen Breitbandausbau.

Abschließend bleibt zu sagen, dass es in der Form kein „vor Corona“ mehr geben wird. Seit Beginn der Pandemie hat sich die Digitalisierung enorm beschleunigt. Das, was wir in zwei Jahren schaffen wollten, haben wir in einem halben Jahr erreicht. Sogar Kolleginnen und Kollegen, die nur noch vier Monate bis zu ihrem wohlverdienten Ruhestand hatten, haben sich noch PowerPoint & Co. angeeignet und beachtliche Präsentationen erstellt.
All das ist aber nur möglich, weil sich das Kollegium gegenseitig unterstützt hat und wir enorme Fördermaßnahmen durch den Träger erfahren durften. So hat das Schulwerk der Diözese Augsburg z.B. eine schulübergreifende IT-Taskforce gebildet, um Symbiosen zu nutzen, damit nicht jede Schule, jeder Lehrer das Rad neu erfinden musste.

Woher kommen wir? Wohin gehen wir? Das wissen wir nicht!
Probieren, Neugier und ganz wichtig: Austausch!
Auch wir hätten vor einem Jahr nie gedacht, dass wir jetzt hier stehen, wo wir stehen. Und wir sind gespannt, was noch kommt!

Verfasser

Dr. FrankPuschner

Dr. Frank Puschner
Realschulkonrektor i. K. Maria-Ward-Realschule Schrobenhausen

Dr. Frank Puschner, geboren 1978 in Augsburg, studierte von Oktober 2005 bis September 2008 Lehramt für Realschule, mit den Fächern katholische Religionslehre und Mathematik und promovierte im Juni 2010 im Fach Schulpädagogik bei Prof. Dr. Dr. Werner Wiater. Seit Februar 2016 ist er stellvertretender Schulleiter an der Maria-Ward-Realschule Schrobenhausen und implementierte und begleitete dort zahlreiche Schulentwicklungsprojekte. Außerdem ist er zertifizierter Marchtaler-Plan-Pädagoge und Moderator der Unterrichtsplangruppe für den Vernetzten Unterricht.